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  • Wenn der Strand zum Spielfeld wird

    Wenn der Strand zum Spielfeld wird

    Wie die Trendsportart Beachvolleyball auf die Insel kam

    Die Sonne lacht über dem schönsten Sandhaufen der Welt und es herrscht reger Betrieb an den Borkumer Badestränden. Unter strahlend blauem Himmel entspannen Insulaner und Gäste gemütlich in ihren Liegestühlen, erfrischen sich in der Nordsee, gehen an der Wasserkante spazieren oder treffen sich mit Freunden auf einen Kaffee in den Milchbuden – währenddessen sich ihre Kinder bei der Strandanimation vergnügen, fantastische Sandburgen bauen oder mit Urlaubsbekanntschaften auf dem Spielplatz herumtoben. 

    Besonders viel los ist in diesen Tagen traditionell auch an den Beachvolleyballfeldern, die sich vor allem am Nordbad zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt haben. So verabreden sich Jung und Alt dort schon seit Jahrzehnten, um oftmals bis in die Abendstunden ausgelassen zu baggern, zu pritschen und zu hechten. In der Regel verbringen sie darüber hinaus auch viel Zeit in unmittelbarer Nähe zu den Feldern, chillen oder feiern mit Gleichgesinnten und schließen dabei enge Freundschaften, die nicht selten ein ganzes Leben lang halten. Seit Generationen schon hat sich hier demnach eine bunte Szene entwickelt, die Freizeit, Spaß und Strandsport zu einem perfekten Urlaub kombiniert.

    Beachvolleyball gehört demnach zu Borkum wie Sand zum Meer, musste jedoch seinen Weg auf das Eiland erst einmal finden. Denn selbstverständlich spielte der sich einst auf der Insel versteckende berüchtigte Seeräuber Klaus Störtebeker mit seiner Mannschaft noch kein Match am Strand von Borkum – und auch die späteren Walfänger haben sich unter „hechten“ höchstwahrscheinlich noch etwas ganz anderes vorgestellt. 

    Um zu erfahren, wie der Trendsport überhaupt hierher gekommen ist, setzen wir uns in der folgenden Titelgeschichte mit seiner Entwicklung auseinander und beschäftigen uns dabei näher mit der entsprechenden Entstehungsgeschichte.

    Geboren am Strand 

    Nachdem der US-Amerikaner William G. Morgan 1895 das Volleyballspiel erfand, verbreitet sich dieses aufgrund seiner Beliebtheit rasant. Folglich dauerte es auch nicht lange, bis die ersten Pioniere den Ball zum Strand mitnahmen und das Spielfeld kurzerhand auf den Sand verlagerten. Laut alten Aufzeichnungen war es der Amerikaner George David Center, der 1915 am Strand von Waikiki auf Hawaii mit seinen Freunden zum ersten Mal Beachvolleyball spielte – und damit eine beeindruckende Entwicklung in Gang setzte. So breitete sich die neue Sportart schnell aus und gehörte vor allem im Sonnenstaat Kalifornien sowie an den brasilianischen Stränden wie Copacabana oder Ipanema schon bald zum gewohnten Bild.

     Der Freizeitsport wird professioneller  

    Bereits 1922 gründeten sich die ersten Beachclubs, die Wettbewerbe am Strand veranstalteten. Zu dem Zeitpunkt traten dabei in der Regel wie beim Volleyball in der Halle vorerst noch sechs gegen sechs Spieler an. Erst in den 1930er-Jahren verkleinerte sich die Spielerzahl, sodass sich nach und nach Matches mit zwei Spielern pro Mannschaft durchsetzten. Auslöser dafür soll der junge US-Amerikaner Paul „Pablo“ Johnson gewesen sein, der eines Tages vergeblich auf einige seiner Mitspieler wartete – und sich notgedrungen kurzerhand dazu entschloss, mit weniger Spielern anzutreten. Hierbei stellte er schnell fest, dass sich der Spielspaß ungemein erhöht, sodass die neue Spielweise rasch auch an anderen Stränden Einzug erhielt. In dieser Zeit schwappte der Trend übrigens auch langsam nach Europa über, wo die ersten Beachvolleyball-Spieler in Frankreich aktiv wurden.

    1948 schließlich wird das erste offizielle Turnier im Zwei-Mann-Spiel in State Beach/Kalifornien veranstaltet, auf das in den 1950er-Jahren regelmäßige mit Preisgeldern dotierte Turniere folgen. In der Folgezeit werden die Spiele immer professioneller, die ersten Meisterschaften ausgetragen und es finden sich finanzstarke Sponsoren, welche die Preisgelder in die Höhe treiben. Ab 1980 entwickelt sich der Freizeitsport allmählich auch zum Profisport, der von professionellen Verbänden organisiert wird. Im Rahmen der sogenannten AVP-Tour finden hochdotierte Turniere statt, die neben Nordamerika bald auch in Brasilen sowie anderen Ländern ausgetragen – und fortan auch vom Fernsehen übertragen werden.

    Beachvolleyball in Deutschland 

    Auch in Deutschland nimmt der Freizeitsport immer professionellere Züge an. Nach amerikanischem Vorbild wird Anfang der 1990er-Jahre eine Masters-Tour ins Leben gerufen, auf der Frauen- und Männer-Teams sich an verschiedenen Austragungsorten für die am Ende der Saison am Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein ausgetragene Deutsche Beachvolleyball-Meisterschaft qualifizieren können. 

    Zudem entwickelte sich Beachvolleyball in den vorangegangenen Jahren zu einem angesagten Vereinssport, der nun immer mehr Menschen in seinen Bann zieht. Nicht zuletzt aus diesem Grund werden deutschlandweit viele Turniere für Freizeitsportler veranstaltet – wie z.B. das seit 1994 auf Borkum ausgetragene Turnier des Nordwestdeutschen Volleyball-Verbandes (NWVV), auf das wir später noch einmal genauer eingehen.

    Der Trendsport wird olympisch  

    Seit den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta ist Beachvolleyball eine olympische Disziplin, die von Anfang an große Begeisterung entfachte. So finden die Spiele meist vor ausverkauften Rängen statt und sorgen zudem stets für hohe TV-Einschaltquoten. Stellten hierbei anfangs noch die USA und Brasilien die besten Mannschaften, haben in der jüngsten Vergangenheit auch die Deutschen bewiesen, dass sie sich nicht vor der Weltelite verstecken müssen. So gewannen Julius Brink und Jonas Reckermann bereits 2012 die Goldmedaille bei den Männern, bevor Laura Ludwig und Kira Walkenhorst vier Jahre darauf in Rio de Janeiro das erste europäische Frauen-Doppel-Gold holten. Doch damit nicht genug. So siegten deutsche Spieler auch mehrmals bei den seit 1993 jährlich ausgetragenen Europameisterschaften, während das erfolgreiche Duo Ludwig/Walkenhorst im vergangenen Jahr sogar Weltmeister wurde. Die erste offizielle Weltmeisterschaft wurde übrigens 1997 in Los Angeles ausgetragen – und findet im kommenden Jahr in Hamburg statt.

    Im feinen Sand…  

    Dass Beachvolleyball nicht zwingend am Strand gespielt werden muss, beweisen nicht nur die zahlreichen künstlich aufgeschütteten Felder in Freibädern und auf Sportanlagen in küstenfernen Städten. So wurde darüber hinaus beispielsweise schon die WM 2005 in der Hauptstadt Berlin ausgetragen, während das Turnier zwei Jahre später sogar in den Schweizer Bergen stattfand. 

    Glücklicherweise kann man den Sport auf Borkum jedoch noch relativ ursprünglich direkt im feinen Sand am Strand praktizieren – was dem Ganzen natürlich seit jeher einen zusätzlichen Reiz verleiht. Und so ist es auch kein Wunder, dass während der Saison an den Feldern am Nord-, Süd- oder FKK-Bad stets reger Betrieb herrscht und immer etwas los ist. Wie eingangs erwähnt, gilt dieses insbesondere für die Spielstätten am Nordstrand, die schon seit den 1960er-Jahren Treffpunkt der Beachvolleyball-affinen Insulaner und Gäste sind. Letztere buchen teilweise sogar schon seit vielen Jahren ihre Strandzelte in unmittelbarer Nähe, damit sie jederzeit spontan hechten, pritschen und baggern können.

    Das NWVV-Turnier 

    Ein zusätzliches Aushängeschild und Beweis für die große Bedeutung von Beachvolleyball auf Borkum sind die am Nordstrand stattfindenden Turniere des Nordwestdeutschen Volleyball-Verbandes (NWVV), die in diesem Jahr bereits zum 25. Mal veranstaltet werden. Jährlich strömen dabei bis zu 3.000 begeisterte Beachvolleyballer jeder Altersgruppe auf die Insel, die sich in ca. 800 Mannschaften aufteilen und gegeneinander antreten.

    Bis heute sind allein in diesem Rahmen rund 60.000 Sportler auf die Insel gekommen, um hier an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden eine bunte Mischung aus Urlaub, Sport, Spaß und Party zu erleben – und dabei sogar noch direkt am Strand feiern und zelten dürfen. Auch 2018 erwartet die Teilnehmer unter dem Motto „Spielen, Feiern und Schlafen“ wieder ein tolles Event, auf dem sie sich nicht nur sportlich messen, sondern im Festzelt in den Dünen zudem auch richtig abrocken können. Nachdem bereits das erste Wochenende Ende Juli ein voller Erfolg war, rechnet der NWVV auch an den darauffolgenden Veranstaltungsterminen (3. – 5. + 10. – 12. August) mit vielen spannenden Matches und begeisterten Zuschauern.

    Der A-Cup 

    Damit auch Fortgeschrittene und Profis auf ihre Kosten kommen und nicht unterfordert werden, organisiert der passionierte Borkumer Beachvolleyballer Björn Leidheiser (siehe Rubrik „3 Fragen an…“) mit finanzieller Unterstützung des Reiseanbieters Schauinsland-Reisen Turnier im Rahmen des NWVV-Gesamtturniers seit 2011 ein sogenanntes A-Cup-Turnier. Hier können leistungsstarke Beachvolleyballer gegeneinander antreten und direkt Punkte für die Teilnahme an der Nordwestdeutschen Meisterschaft in Hannover sammeln – nach Timmendorf das zweitgrößte Beachvolleyballturnier in Deutschland.

    Beach Days Borkum 

    Darüber hinaus sollten sich Beachvolleyballfans auch den 17. bis 19. August fett im Kalender anstreichen. Dann nämlich findet auf Borkum das hochwertige Top 10+ – Turnier des NWVV statt, auf dem mindestens 16 Damen- und Herrenteams der nationalen Spitzenklasse um Preisgeld sowie wichtige Qualifikationspunkte für die Deutsche Beachvolleyball-Meisterschaft am Timmendorfer Strand zum Ende der Saison kämpfen. Wer also echte Profis am Werk sehen möchte, sollte sich in diesen Tagen unbedingt zum Nordstrand begeben. Das Turnier startet am Freitag, den 17. August ab 13 Uhr mit der Qualifikation für das Hauptfeld, gefolgt von den Spielen der gesetzten Teams und der qualifizierten Topsportler am Samstag und Sonntag jeweils ab 9 Uhr. Rund 1.200 Zuschauer finden in der mobilen Sportarena des Center Courts mit Sitzplatztribünen sowie Stehplätzen am Strand von Borkum statt, weitere Spiele können auf den drei Nebencourts direkt am Strand verfolgt werden.

    Um Spaß an den Volleyballfeldern zu haben, muss man aber nicht unbedingt Profi sein oder sich verbindlich für eines der NWVV-Turnierwochenenden entscheiden. Selbstverständlich kann man auch so hechten und baggern oder einfach nur an den Plätzen seine Freizeit verbringen – so wie man es hier schon gemacht hat, lange bevor Beachvolleyball überhaupt professionell wurde.