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  • Bis das Meer endgültig über den Deich schwappt...

    Bis das Meer endgültig über den Deich schwappt…

    Der Kampf gegen den Klimawandel

    Es ist mal wieder ein wunderbarer Tag am Meer, der für Jung und Alt alles bietet, was man sich nur wünschen kann. Die Sonne lacht vom makellos blauen Himmel, Gäste entspannen in ihren Liegestühlen und erfrischen sich im Wasser, Jugendliche spielen Beachvolleyball oder fliegen spektakulär mit ihrem Kiteboard durch die Lüfte und die jüngsten Strandbesucher bauen vergnügt ihre Sandburgen und toben ausgelassen in der Brandung. Hier – am feinen Sandstrand – genießt wirklich jeder seine freie Zeit und lässt es sich sichtlich gut gehen. 

    Auch die junge Familie Schmidt freut sich riesig über das schöne Wetter und ist begeistert von ihrem allerersten Urlaubstag direkt an der Küste. Doch wie das meistens mit dem ersten Ferientag so ist, neigt sich dieser schneller dem Ende zu als gedacht – sodass die Schmidts nach viel Sonnenschein, Entspannung und Badespaß in den frühen Abendstunden ihre Sachen zusammenpacken und gemütlich am Berliner Funkturm vorbei in Richtung ihrer nahe gelegenen Ferienwohnung schlendern. 

    Berliner Funkturm? An dieser Stelle sollte der Leser stutzig werden – denn schließlich müsste hier doch eigentlich „Leuchtturm“ stehen! Mitnichten – denn der fiktive Einstieg unserer aktuellen Titelgeschichte spielt nicht am Strand von Borkum, sondern an der Küste Berlins. Und Familie Schmidt läuft folglich nicht die Strandstraße entlang, sondern spaziert über den früheren Messedamm der deutschen Hauptstadt – der zu diesem Zeitpunkt schon eine Promenade ist.

    Was hier noch reine Fiktion ist und sich eher wie ein schlechter Witz anhört, könnte in ferner Zukunft jedoch tatsächlich zur Realität werden. Schreitet der Klimawandel nämlich weiter so voran wie bisher, wird dies zwangsläufig dazu führen, dass der damit zusammenhängende Meeresspiegelanstieg ganze Landesteile verschluckt und Küsten weit ins heutige Landesinnere verlagert. Die BURKANA-Redaktion hat sich einmal näher mit den verschiedenen Zukunftsszenarien beschäftigt – und präsentiert im Folgenden eine Mischung aus Aufklärung, Mahnung und Motivation.

    Klimawandel und  globale Erderwärmung

    Spricht man über das Thema Klimawandel, muss vorerst ein wenig differenziert werden. Demnach hat sich das Klima auf der Erde im Laufe der Geschichte und vieler Milliarden Jahre immer wieder verändert. So wechseln sich Eis- und Warmzeiten seit jeher ab und sorgen für eine – nach heutigem Wissensstand – natürliche Veränderung des Klimas.

    Alles andere als natürlich ist jedoch die Art des Klimawandels, die derzeit in aller Munde ist und für die globale Erderwärmung sowie die Zunahmen von Wetterextremen und Naturkatastrophen verantwortlich ist. Denn diese gilt als menschengemacht und ist in erster Linie auf das massive Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas sowie dem damit einhergehenden Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 zurückzuführen. In den letzten 100 Jahren ist die Temperatur auf der Erde so durchschnittlich um knapp ein Grad Celsius gestiegen – was sich schon heute mitunter in der Zunahme von Wetterextremen und Naturkatastrophen sowie der Gletscherschmelze und dem Meeresspiegelanstieg bemerkbar macht.

    Doch damit nicht genug. So warnen Klimaexperten davor, dass die Durchschnittstemperatur auf der Erde bis Ende des Jahrhunderts um weitere 4 Grad Celsius steigen könnte – sollten die größten Industrie- und Schwellenländer (siehe Infokasten) ihren CO2-Ausstoß nicht drastisch senken. Laut einer Analyse des Naturschutzbund Deutschland (NABU) wäre die menschliche Gesellschaft mit der Anpassung an die Wirkungen einer derartigen Erwärmung schlicht überfordert. Bis zu einem Fünftel der Weltbevölkerung seien dann durch häufigere Überschwemmungen gefährdet, zusätzliche 15 Millionen Menschen dem Risiko der Küstenüberflutung ausgesetzt, rund 3,2 Milliarden Menschen von Wasserknappheit betroffen und weitere 120 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Zudem käme es zu einem weltweiten Artensterben – vor allem in Feuchtgebieten wie dem Wattenmeer, Wäldern und Korallenriffen.

    Auch bei uns… 

    Nicht zuletzt der zurückliegende Jahrhundertsommer mit Rekordtemperaturen, Dürre und heftigen Unwettern hat auch uns mal wieder vor Augen geführt, dass der Klimawandel schon längst in Deutschland angekommen ist. Ob die extreme Dürre im Norden und Osten, sintflutartige Regenfälle im Süden oder heftige Gewitter im Westen – Wetterextreme und Jahr für Jahr heißer werdende Sommer gehören auch hierzulande mittlerweile zur Realität und verursachen regelmäßig enorme Schäden.

    Von ausgefallenen Ernten über extreme Wasserknappheit und ausgetrocknete Flüsse bis hin zu großflächig verdorrten Grünflächen sowie verheerenden Waldbränden – schon in diesem Jahr haben wir einen Eindruck davon bekommen, was uns in Zukunft erwarten könnte. „Der Klimawandel ist schon längst in Deutschland angekommen. Die Hitzetage – das sind Tage mit Temperaturen von mindestens 30 Grad – nehmen seit Jahrzehnten zu, genauso wie die Tropennächte mit Temperaturen, die nicht mehr unter 20 Grad fallen. Außerdem nehmen die Tage mit Frost ab. Und schließlich steigen die Meeresspiegel auch an der Nordseeküste“, erklärt der renommierte deutsche Klimaexperte Prof. Dr. Mojib Latif, der am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung forscht.

    Erschreckender Meeresspiegelanstieg  

    Wie bereits angeschnitten, hat der Klimawandel eine verheerende Auswirkung auf die Weltmeere. Demnach schmelzen die großen Eisgletscher an Nord- und Südpol aufgrund der Erderwärmung – was wiederum zu einem Anstieg des Meeresspiegels und zur Bedrohung riesiger Küstenabschnitte führt. Das ist im Grunde nichts Neues – und wird fast täglich in den Nachrichten berichtet. Doch geht man ein bisschen mehr ins Detail, erscheint das Ganze schon etwas bedrohlicher! So steigt der Meeresspiegel im weltweiten Durchschnitt nämlich schon heute um bis zu drei Millimeter im Jahr!

    Zwar mag auch das für einen Laien erst einmal nicht sonderlich bedrohlich klingen – rechnet man das anze aber einmal hoch, machen sich sicherlich rasch die ersten Sorgenfalten auf der Stirn bemerkbar. Demnach warnen Klimaforscher beispielsweise in der Fachzeitschrift Natur Climate Change davor, dass in 10.000 Jahren ein großer Teil Mitteleuropas durch den Meeresspiegelanstieg geflutet sein und das Wasser an der deutschen Küste um 35 Meter (!) steigen könnte. Die Niederlande, große Teile von Dänemark, Belgien und Schleswig-Holstein sowie die komplette Hansestadt Hamburg wären dann vollkommen im Meer versunken – während die Nordsee sogar bis ganz nach Brandenburg und Berlin schwappen würde (wir erinnern uns an die Familie Schmidt).

    An einen Urlaub auf der Insel unserer Träume wäre dann übrigens leider auch nicht mehr zu denken. Denn auch Borkum wäre – genau wie seine ost-, west- und nordfriesischen Nachbarn – schon längst untergegangen und hätte lediglich noch einen Atlantis-Status. Zwar wurde dem steigenden Meeresspiegelanstieg hier in der Vergangenheit erfolgreich mit der Errichtung immer stabilerer Deiche begegnet – jedoch stößt auch die Deichbautechnik bei einem Anstieg von 35 Metern garantiert an ihre Grenzen. Und wer würde schon gerne auf einer Insel Urlaub machen, die von einer Mauer umringt ist, die beinahe so hoch ist wie der Alte Leuchtturm?

    Kritiker verstummen – Trump wird laut 

    In Anbetracht dessen gilt es, den Klimawandel samt globaler Erwärmung ernst zu nehmen und sich Skeptikern entgegenzustellen. Ohnehin sind diese mittlerweile nahezu verstummt – und finden sich lediglich noch unter Lobbyisten aus Industrie und Wirtschaft sowie im Oval Office des Weißen Hauses in Washington. Dort sitzt der beratungsresistente US-Präsident Donald Trump, der sich in der Klimawandeldebatte eher durch Sinnfreiheit anstatt durch Fachwissen auszeichnet. So behauptete er beispielsweise, dass der Klimawandel lediglich eine Erfindung der Chinesen sei, die darauf abzielten, den USA zu schaden. Zudem verbreitete er „Fake-News“ über die angebliche Rekordhöhe der Polklappen sowie die Größe der Eisbären-Population; oder beschwerte sich über die anhaltende Kälte mit dem folgendem Tweet: „Wo zum Teufel ist denn jetzt die Erderwärmung…“

    Hört man diese Argumente und Sprüche, kann man eigentlich nur noch schmunzelnd mit dem Kopf schütteln. Doch leider ist das gar nicht lustig, da Donald Trump als Präsident der USA positiven Einfluss auf die Klimapolitik seines Landes nehmen könnte, das mit Abstand zu den weltweit größten Verursachern von CO2-Emissionen zählt. Wie zu erwarten war, ließ Trump nach seinem Amtsantritt auch keine Zeit verstreichen, um jegliche Bemühungen gegen den Klimawandel zu untergraben. So kündigte er beispielsweise bereits 2017 an, zum nächstmöglichen Zeitpunkt im Jahr 2020 aus dem Pariser Klimaabkommen austreten zu wollen.

    Das Pariser Klimaabkommen  

    Der 2016 in Kraft getretene Pariser Klimavertrag wurde von knapp 200 Staaten – darunter auch massive „CO2-Ausstoßer“ wie China, Brasilien, Indien und die USA – ratifiziert und zielt auf ein gemeinsames Vorgehen im Kampf gegen den Klimawandel ab. Anders als noch im 1997 beschlossenen Kyoto-Protokoll zur Förderung des weltweiten Klimaschutzes haben sich nun fast alle Staaten völkerrechtlich dazu verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, die dazu führen, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius (möglichst 1,5 Grad Celsius) zu begrenzen. Hierfür definieren die Verantwortlichen nationale Klimaschutzziele, die alle fünf Jahre erneuert bzw. angepasst werden sollen.

    Während Trumps Vorgänger Barack Obama das Abkommen als „Wendepunkt für die Welt“ lobte, fährt sein Nachfolger die dadurch entstandene Hoffnung derzeit direkt an die Wand. Glücklicherweise folgt dabei nicht jeder seiner Linie. So erklärten über 200 US-Städte und 17 Bundesstaaten ihre in Paris festgelegten Klimaziele unbedingt einhalten zu wollen – trotz der Austrittsankündigung ihres Präsidenten.

    Die einseitige Aufkündigung des Klimavertrages ist nicht nur unklug, sondern auch geradezu fahrlässig. So ist das Klimaabkommen ein Meilenstein auf dem Weg zu mehr Klimafreundlichkeit – und zudem ein wichtiges Signal an die Weltgemeinschaft, bei einer der bedeutendsten Herausforderungen der Menschheit an einem Strang zu ziehen. Demnach nützt es nichts, wenn Klimabestrebungen nur in einigen Industrieländern umgesetzt werden, während andere den Ausstoß von klimaschädlichem CO2 noch weiter steigern. Vielmehr gilt es, gemeinsam sinnvolle Strategien zu entwickeln und sich dabei effektiv zu vernetzen. Umso wichtiger ist deshalb, geeignete Instrumente wie das Pariser Klimaabkommen unisono zu unterstützen und umzusetzen. 

    Deutschlands Klimaschutzziele  

    Um den Klimawandel noch abbremsen zu können, muss jeder Staat seine Hausaufgaben machen. So hat sich beispielsweise Deutschland das ehrgeizige Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Ausstoß im Jahr 1990 zu senken. Zwar hat die Bunderegierung dieses Ziel kürzlich wieder aufgegeben und verkündet, dass der CO2-Ausstoß bis dahin nur um etwa 32 Prozent gesenkt werden könne – dennoch geht der Weg in die richtige Richtung. Zumal die hiesigen Klimaschutzziele laut einer Untersuchung des Fraunhofer Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik sowie der Umweltschutzorganisation Greenpeace noch erreicht werden könnten. Demnach müssten lediglich die ältesten Braunkohleblöcke abgeschaltet bzw. gedrosselt werden, während der Ausbau der Wind- und Solarkraft wie im Koalitionsvertrag vereinbart weiter vorangetrieben wird.

    Gutes Beispiel Borkum 

    Und auch wenn die Bundesregierung die Klimaschutzziele doch nicht erreichen sollte – an Borkum liegt es nicht. Denn hier krempelt man schon seit den 1980er-Jahren die Ärmel hoch und hat im Laufe der Zeit eine wahre Kompetenzinsel für regenerative Energie geschaffen, die im Kleinen zeigt, wie es geht. So werden mittels Photovoltaik-, Windkraftanlagen und dem Solarpark schon heute bis zu 13.500.000 kWh/Jahr erzeugt und ins öffentliche Netz eingespeist. Dies entspricht einem Jahresbedarf von weit über 3.000 Haushalten – und würde ausreichen, um mehr als die Hälfte des Energieverbrauchs der Insel zu decken. Hinzu kommt das Ressourcenbewusstsein der Insulaner, die verstärkt auf das BorkumWatt-Natur-Angebot der hiesigen Stadtwerke setzen und damit garantieren, dass zwei Drittel des auf Borkum verbrauchten Stroms ausschließlich aus regenerativen Energiequellen stammen. 

    Darüber hinaus werden hier aktuell bahnbrechende Pilotprojekte sowie neue Techniken erprobt und getestet, die den Einsatz grüner Energie und damit den Klimaschutz nachhaltig fördern. Ob das von der Europäischen Union geförderte Projekt NETfficient, in dessen Rahmen virtuelle Kraftwerke entwickelt werden, die zu jeder Tages- und Nachtzeit eine zuverlässige und intelligente Versorgung mit Erneuerbaren gewährleisten soll, Forschungen zur Gewinnung von Wärme aus Nordseewasser oder die verstärkten Bemühungen bezüglich der Förderung von klimaschonender Elektromobilität – in vielen Bereichen hat sich Borkum im Laufe der Zeit zu einer wirklichen Kompetenzinsel entwickelt, die sich das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, bis 2030 emissionslos zu werden. 

    Mehr zu den Klimaschutzbestrebungen des schönsten Sandhaufens der Welt sowie den bahnbrechenden Zukunftsprojekten und den Ausbau der Elektromobilität erfahren Sie auf den 5. Borkumer Energietagen am 14. und 15. September rund um die Kulturinsel. Besucher erwarten hier neben interessanten Ausstellern und einem facettenreichen Vortragsprogramm ein exklusiver Impulsvortrag des bekannten Klimaforschers Prof. Dr. Mojib Latif.

    Wir alle können etwas tun! 

    Zum Abschluss bleibt festzuhalten: In Sachen Klimawandel können und sollten wir uns nicht alleine auf Entscheidungen, Beschlüsse und Pläne von Regierungen und politischen Entscheidern verlassen. Denn wie Trumps Politik hinsichtlich des Pariser Klimaabkommens zeigt, sind diese nicht immer nachhaltig und können mitunter sogar ziemlich unverlässlich sein. Wichtig ist daher, dass jeder Einzelne von uns umdenkt und etwas gegen den Klimawandel unternimmt. Ob der Einkauf von regionalen und saisonalen Produkten, der Einsatz energiesparender LED-Lampen, die verstärkte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder das Ausschalten des Standby-Betriebs von Elektrogeräten – schon kleine Aktionen können eine Menge bewirken und in der Summe viel zum Klimaschutz beitragen. Denn schließlich möchten wir doch alle, dass noch viele Generationen ihren Urlaub auf dem schönsten Sandhaufen der Welt verbringen können – und nicht so schnell wie die Familie Schmidt an die Küste Berlins ausweichen müssen.