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  • Atlantis der Nordsee

    Atlantis der Nordsee

    Der Untergang des Doggerlandes

    Vermehrt hören wir in den Medien Berichte über Klimawandel, steigende Temperaturen und Meeresspiegelanstieg – können uns aber oftmals gar nicht richtig vorstellen, was das überhaupt genau bedeutet und für langfristige Folgen hat. Natürlich wird den wenigsten entgangen sein, dass Gletscherschmelze, Hurrikans, schwere Unwetter und weitere Naturkatastrophen scheinbar immer mehr zunehmen. Um jedoch die langfristigen Auswirkungen der Erderwärmung begreifen zu können, müssen wir die Zeit um einige Zehntausend Jahre zurückdrehen – und uns mit dem sagenumwobenen Doggerland beschäftigen. 

    Garten Eden der Steinzeit 

    Vor etwa 10.000 Jahren verlief die Küstenlinie der Nordsee noch einige Hundert Kilometer nördlich der jetzigen, sodass das damals noch existierende Doggerland die Südküste bildete. Dieses galt in der Steinzeit als sehr fruchtbar und wurde von Jägern sowie Sammlern bewohnt, die hier alles vorfanden, was sie zum Leben benötigten. Nicht ohne Grund bezeichnen Archäologen das ehemalige Doggerland daher noch heute als den einstigen „Garten Eden der Steinzeit“. Doch in Folge des natürlichen Klimawandels – bedingt durch das Abschmelzen der Gletscher zum Ende der letzten Eiszeit – stieg der Meeresspiegel mit der Zeit so stark an, dass das Doggerland im Laufe von mehreren Tausend Jahren in den Fluten versank. 

    Tsunami und Untergang 

    Übrig blieb dabei lediglich die sogenannte Doggerbank – eine vormalige Erhebung, die nun eine große Insel war und von Menschen besiedelt wurde. Doch auch die hiesige Siedlungsgeschichte sollte vor rund 8.000 Jahren ein jähes Ende finden. So veröffentlichten der Geophysiker Dr. Jon Hill und sein Team bereits vor einigen Jahren eine Studie sowie beeindruckende Computersimulationen, die belegen sollen, dass die Doggerbank Opfer eines gewaltigen Tsunamis wurde. Demnach löste sich an der Küste Norwegens eine gewaltige Geröllmasse in der Größe von Island von der Festlandfläche – und rutschte kilometerweit in die tiefe See. Der dadurch ausgelöste Tsunami raste daraufhin über die Nordsee und ließ den Küstenbewohnern nicht den Hauch einer Chance. Fundstücke an der Ostküste Schottlands beweisen zum Beispiel, dass diese teilweise gerade am Lagerfeuer saßen, als die meterhohe Welle über ihnen zusammenbrach. Weitere Funde auf den Färöern, den Shetland-Inseln sowie in Norwegen deuten darauf hin, dass die Tsunami-Wellen sogar teilweise über 20 Meter hoch gewesen sein mussten.

    Auch die Doggerbank hatte dem Tsunami nichts entgegenzusetzen und wurde von den Wassermassen komplett verschluckt. Der Untergang der Doggerbank bedeutete somit auch das endgültige Ende des Doggerlandes, das nun quasi als das „Atlantis der Nordsee“ tief auf dem Meeresgrund schlummert.

    Zwar ist das Doggerland dem gewaltigen Tsunami vor rund 8.000 Jahren zum Opfer gefallen – die Vernichtung bedeutete aber gleichzeitig die Rettung Frieslands. Denn mit ihrer Querlage zwischen den deutschen, niederländischen und südenglischen Küsten – wirkte die Insel wie eine Art Wellenbrecher und sorgte dafür, dass die Kraft des Tsunamis stark abgeschwächt wurde. Das Doggerland war somit chancenlos – Friesland aber gerettet.

    Die Doggerbank ist heute eine Sandbank, die an manchen Stellen lediglich 13 Meter unter der Meeresoberfläche liegt. Aufgrund dieser geringen Tiefe ist sie einer der prädestiniertesten Standorte für die Errichtung von Offshore-Windparks und liegt somit im Zentrum der Energieversorgung der Zukunft.