BurkanaEin Stück Borkum...



  • Tschüss ALFRIED KRUPP! Moin HAMBURG!

    Die Station Borkum erhält einen neuen Seenotrettungskreuzer

    Insgesamt 2.140 Mal waren die Seenotrettungskreuzer und -boote der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) im vergangenen Jahr im Einsatz und retteten dabei mehr als 350 Menschen aus Seenot.

    Angesichts zunehmender Schiffsunglücke wurden die Forderungen nach einem einheitlichen und funktionierenden Rettungswesen für die deutschen Küsten bereits Mitte des 19. Jahrhunderts immer lauter. 1861 wurde daher der Verein zur Rettung Schiffbrüchiger an der ostfriesischen Küste gegründet, aus dem 1865 die DGzRS hervorging – welche sich in der Folgezeit zu einem der modernsten Seenotrettungsdienste der Welt entwickeln sollte.

    Station Borkum

    Eine der ersten Rettungsstationen entstand 1862 auf der Nordseeinsel Borkum. Da sich im entsprechenden Einsatzgebiet die offene See und zahlreiche Sandbänke im Mündungsgebiet der Ems vereinen, gilt das hiesige Revier seit jeher als besonders tückisch. Demzufolge müssen die hier stationierten Seenotretter besonders oft rausfahren, wenn andere reinkommen – und haben dabei bis heute mehrere Tausend Menschen aus brenzligen Notlagen befreit.

    Stürzten sich die mutigen Rettungsmänner in der Anfangszeit noch auf hölzernen Ruderrettungsbooten in die brausenden Fluten, wurden die Rettungsboote im Laufe der Zeit immer moderner und leistungsfähiger. So setzte man ab 1918 die ersten Motorrettungsboote ein, auf die ab 1957 die Seenotrettungskreuzer THEODOR HEUSS, GEORG BREUSING und ALFRIED KRUPP folgten.

    Die ALFRIED KRUPP

    Nach 32 Dienstjahren und zahlreichen Einsätzen wird der Seenotrettungskreuzer ALFRIED KRUPP samt Tochterboot GLÜCKAUF nun turnusgemäß abgelöst und durch die HAMBURG ersetzt. Der 1988 in Dienst gestellte Kreuzer blickt auf eine erfolgreiche Einsatzzeit zurück, in der sich jedoch auch ein tragisches Unglück ereignete. So wurde das Schiff während eines Einsatzes in der Orkannacht vom 1. auf den 2. Januar 1995 von einer Monsterwelle erfasst und kenterte durch. Der damalige Vormann Bernhard Gruben sowie Maschinist Theo Fischer verloren dabei ihr Leben. Um der Mannschaft an Bord künftig ein Höchstmaß an Sicherheit bieten zu können, wurde das schwer beschädigte Schiff anschließend völlig neu konzipiert und u.a. mit einem geschlossenen Steuerstand versehen – bevor es schließlich nach einem halben Jahr Reparaturzeit wieder eingesetzt werden konnte.

    Die HAMBURG

    Während die ALFRIED KRUPP noch fleißig für Sicherheit in den Gewässern vor Borkum sorgte, waren auch die Arbeiter in der Fassmer-Werft in Bardenfleth an der Unterweser nicht untätig. Stück für Stück schweißten Sie im Jahr 2019 aus Tausenden Teilen Rumpf und Aufbau des neuen Seenotrettungskreuzers HAMBURG zusammen, setzten das Deckshaus auf, verschifften den Rohbau in den rund einen Kilometer entfernten Hauptsitz der Werft im niedersächsischen Berne (inkl. erstem Wasserkontakt), installierten zwei Hauptmaschinen mit einer Gesamtstärke von fast 4.000 PS und führten u.a. letzte Mal- und Lackierarbeiten durch.

    Die HAMBURG ist das vierte Schiff der völlig neu konstruierten 28-Meter-Klasse, welche die bewährte 27,5 Meter-Klasse (z.B. die ALFRIED KRUPP) nach und nach ersetzen soll. Das Typschiff hatte die DGzRS zu ihrem 150-jährigen Bestehen Ende Mai 2015 auf den Namen ERNST MEIER-HEDDE getauft und auf Amrum stationiert. Der zweite Seenotrettungskreuzer dieser Klasse ist die neue BERLIN, die seit Anfang 2017 von Laboe aus die Kieler Förde sichert. Seit Sommer 2017 ist zudem die ANNELIESE KRAMER als dritte Einheit dieser Klasse auf der Station Cuxhaven im Einsatz.

    Bevor der neue Seenotrettungskreuzer auf der Station Borkum eingesetzt wird, sollte eigentlich am 19. April eine feierliche Schiffstaufe in Hamburg stattfinden. Die öffentliche Taufzeremonie musste jedoch aufgrund des Corona-Virus leider abgesagt werden. Was nach der Ankunft der HAMBURG aus der ALFRIED KRUPP wird, steht noch nicht fest. Nur so viel ist klar: Sie wird derzeit offiziell über einen professionellen Shipbroker zum Kauf angeboten. Die DGzRS führt schon Gespräche mit Interessenten – eine Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen.

    Bildquellen: DGzRS, burkana, Jörg Zogel