BurkanaEin Stück Borkum...



  • Sturmflutschutz groß geschrieben

    Schutzanlagen auf Borkum

    Aufgrund der Erfahrung mit massiven Überflutungen wurden ab dem Spätmittelalter immer größere Deichanlagen errichtet, die den zunehmenden Höhen der Sturmfluten laufend angepasst wurden. Auch auf Borkum entstanden in dieser Zeit die ersten richtigen Deichanlagen. Bereits um 1500 wurde ein entsprechender Schutzwall angelegt, der vom heutigen Heimatmuseum ‚Dykhus’ entlang der heutigen Richthofenstraße bis hin zum heutigen Stadtwerkegelände an der Hindenburgstraße verlief. 1620 folgte der Bau des ‚Alten Deiches’, der 1804 durch den Upholm bis zum Barbaraweg erweitert und später noch erhöht wurde.

    Massives Schutzsystem

    Ein massives Schutzsystem zur Seeseite hin wurde ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der heutigen Heimlichen Liebe bis zum Café Seeblick errichtet. Neben den bereits künstlich geschaffenen Schutzdünen, Buhnen, Strandmauern und Deckwerken entstand so eine zusätzliche massive Schutzanlage, die den Bestand der Insel sicherte.

    Ein Teil dieser Anlage – d.h. die Promenade vom Nordbad bis zur Heimlichen Liebe – wurde von 2011 bis 2013 aufwendig saniert und so fit für die Zukunft und potenzielle heftigere Sturmfluten gemacht. Kleiner Tipp: Seitdem auch die teilweise versandeten Flächen der Schutzanlage in Richtung Café Seeblick wieder freigelegt wurden, können Sie ausgehend von der Heimlichen Liebe bis dorthin eine herrliche Fahrradtour unternehmen. Auf der Tour bekommen Sie zudem einen guten Eindruck davon, welche erfolgreiche ‚Arbeit’ die Schutzdünen und -anlagen seit ihrem Bestehen verrichten.

    Ausbau des Sturmflutschutzes

    Einen großen Einfluss auf den Sturmflutschutz hatte ab 1869 der Ausbau von Strandschutzwerken und Verkehrsanlagen auf dem Inselwatt. So wurden auf Borkum bis heute 6,5 km Uferschutzwerke und 35 Buhnen gebaut, der Reededamm mit Inselbahnstrecke errichtet und die Hafenanlage in Betrieb genommen, an die später der Leitdamm Fischerbalje anschloss. Darüber hinaus ließen die Verantwortlichen bereits zwischen 1864 und 1869 den Hinterwall errichten, der die Ost- und Westlanddünen verband. Die Sandfläche zwischen Ost- und Westland – das sogenannte Tüskendör – die sonst regelmäßig überflutet wurde und die Insel in ein Ost- und Westland teilte, konnte somit verschlossen werden. 1936 schließlich unterstützten die Verantwortlichen diese Konstruktion durch die Errichtung des Hindenburgdamms zur Seeseite.

    Um auch Überflutungen von der Wattseite zu verhindern, errichteten die Insulaner in den 1930er-Jahren zunächst einen Deich vom Ostende der Woldedünen bis zum Ostende der Bantjedünen und kurz darauf einen Sommerdeich zwischen der Nordhälfte der Bantjedünen bis zum Südende des Steernklippsteert im Osten der Insel. Die Deichzüge wurden schließlich 1975/76 zum Hauptdeich bzw. Hopp-, Tüskendör- und Steernklippsteert-Deich mit einer Gesamtlänge von 4,9 Kilometern ausgebaut. Auch hier ein kleiner Tipp an die Gäste der Insel: Der Deich lädt zu unvergesslichen Radausflügen ein, auf denen Sie einen wunderbaren Blick über das Wattenmeer und die Natur Borkums haben. Am Ende des Deichs erwartet Sie zudem eine Aussichtsdüne, von der aus Sie das Panorama von Meer und Insellandschaft genießen können.

    Mitte der 1970er wurde im Übrigen auch der sogenannte „Schwarze Deich“ an der ehemaligen Jugendherberge errichtet. Nach der kürzlich erfolgten Komplettsanierung lädt dieser als Wattenmeer-Promenade mit einer Länge von 1,3 Kilometern künftig zu Ausflügen ein, auf denen die Insel von einer ganz neuen Perspektive betrachtet werden kann.

    Neue Herausforderungen

    So ist auf Borkum im Laufe der Zeit ein echtes Bollwerk entstanden, das heftigen Sturmfluten erfolgreich die Stirn bietet. Zwar gab es in der jüngsten Vergangenheit immer wieder extremes Hochwasser, das den schönsten Sandhaufen der Welt ‚getroffen hat’ und zu vereinzelten Dünenabbrüchen, Strandschwund etc. führte (z.B. durch Sturmtief Kyrill im Januar 2007 oder Xaver Anfang Dezember 2013). Von allzu großen Schäden blieb die größte der Ostfriesischen Inseln aber glücklicherweise bisher verschont – so auch beim Orkantief Sabine Anfang Februar 2020. Nicht so viel Glück hatte dabei übrigens die Insel Wangerooge – dort sorgen die durch Sabine aufgepeitschten Fluten dafür, dass große Teile des Strandes wegbrachen.

    Jedoch sollte sich hier niemand auf den Lorbeeren ausruhen! Denn der mit dem Klimawandel einhergehende Meeresspiegelanstieg wird auch Borkum längerfristig vor neue Herausforderungen stellen. So identifiziert der Generalplan des NLWKN neben der regelmäßigen Erhöhung, Verstärkung und Grundinstandsetzung bestehender Anlagen die folgenden langfristigen konkreten Bedarfe für Borkum:

    • Bau eines Lahnungssystems (= Uferschutzanlagen) vor dem Hopp- und Tüskendör-Deich
    • Fußsicherung vor dem Reededamm (= zusätzliche Sicherung des Damms)
    • Wiederaufbau, Verstärkung und Sicherung der Schutzdünen durch Sandfang- und Dünenfestlegungsmaßnahmen
    • Verstärkung der Schutzdünen im Bereich der Süd- und Woldedünen (Greune Stee)

    Süßwasserlinse vorerst sicher

    Auch die Süßwasserlinse, dank der sich Borkum autark mit Trinkwasser versorgen (siehe Grafik) und somit komplett auf Wasserlieferungen vom Festland verzichten kann, scheint vorerst nicht akut von einem möglichen Meeresspiegelanstieg bedroht zu sein. „Tatsache ist, dass bei einer Mächtigkeit der Süßwasserlinse von mehr als 50 Metern ein langsamer Meeresspiegelanstieg um wenige Zentimeter keinen nennenswerten Einfluss auf die Süßwasserlinse ausüben kann“, erklärt Sebastian Winter, Geschäftsführer von HSW Nordwest – Ingenieurbüro für Hydrogeologie, Sedimentologie und Wasserwirtschaft in Leer. „Es wäre auch denkbar, dass die Insel mit in die Höhe wächst und damit die Verhältnisse unverändert blieben.“

    Bildquellen: NLWKN, Torsten Dachwitz



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