BurkanaEin Stück Borkum...



  • In ehrendem Gedenken an Bucki Begemann

    *  9. August 1935

    + 26. November 2018

    Nachdruck aus BURKANA vom August 2010 anlässlich seines 75.Geburtstags

     

    Wer Bucki nicht kennt, kennt Borkum nicht

     

    Dienstag und Freitag um 10:00 Uhr bietet sich immer das gleiche Bild. In der Nähe des Neuen Leuchtturms, direkt neben der ehemaligen Kurverwaltung, treffen sie sich.  Frauen und Männer, Mädchen und Jungen. Sie alle scharen sich um einen Mann. Weiße Kapitänsmütze, rotes Halsband, blau-weiß gestreiftes Fischerhemd: Bucki Begemann sammelt seine Schützlinge, denen er Borkums versteckteste Winkel zeigen wird. Denn keiner kennt die Insel so wie er. „Mir nach“ steht in roten Buchstaben auf der Rückseite seines Fischerhemdes eingestickt.  Und sie folgen ihm alle. „Habt Vertrauen“, das ist sein Wahlspruch, den die Besucher während der nächsten drei Stunden noch oft hören werden. Viele laufen schon seit Jahren mit ihm, manche mehrmals pro Saison. „Kennen Sie mich noch“, fragt eine ältere Dame Bucki und schaut ihn erwartungsvoll an. „Ich bin schon vor vier Jahren mit Ihnen gelaufen.“ Bucki lacht, ob er die Dame tatsächlich wiedererkannt hat, sagt er nicht. Aber seine Besucherin ist stolz. Denn sie weiß auch, wer Bucki nicht kennt, kennt Borkum nicht.

    Und Bucki kennt Borkum wie seine Westentasche. Sein Mundwerk ist lose, bei seinen Touren wird viel gelacht. Aber was er erzählt, hat Hand und Fuß. Er kennt sich aus mit Leuchttürmen, den klassischen Veranden an Borkumer Häusern, historischen Walfängergeschichten und der 2000 Jahre alten Geschichte seiner Heimatinsel. Davon erzählt er ebenso lebendig und kompetent wie von der  Bedeutung des Wattenmeeres, der Entstehung des Kurparks und dem Bau des Gezeitenlandes mit seinen herrlichen Saunalandschaften.  Beim Stichwort „Sauna“ meldet sich wieder die freundliche Dame zu Wort und erzählt, dass sie dort jeden Montag sei. Bucki, nie um eine Antwort verlegen, meint dazu: „Montags habe ich leider keine Zeit“, schaut sie freundlich an und lacht übers ganze Gesicht. Alle seine Besucher, es sind wieder viele heute, lachen mit.

     

    Am 9. August 1935 wird er auf Borkum geboren. Noch heute lebt er in dem Haus in der Süderstraße, in dem er zur Welt kam. Als Kind bewundert Bucki die mondän gekleideten Damen, die auf der Promenade am Musikpavillon flanieren. Vielleicht lernt er auch deswegen Textilkaufmann und arbeitet seit 1956 im großen Hamburger Alsterhaus als Verkäufer. Schon damals bringen sein Redetalent und seine schier unerschütterliche Freundlichkeit ihm so gute Verkaufsergebnisse ein, dass er für den Kaufhofkonzern Modenschauen moderiert. Besonders engagiert ist Bucki zu der Zeit bei der Auswahl der Models, alles Verkäuferinnen aus dem Kaufhof. „Sie waren immer besonders nett zu mir“, erzählt Bucki verschmitzt lächelnd, „denn alle wollten, dass ich sie für den Laufsteg auswählte.“ Viel kommt er in diesen Zeit herum, Bochum, Krefeld, Kleve, Mainz, Bonn und geht dann als Einkäufer nach Hannover.

    Doch die große Sturmflut 1962 verändert sein Leben. Die Sorge um seine Familie und seine Heimatinsel Borkum zieht ihn zurück nach Hause. So gibt der 28-jährige Einkäufer eines Weltkonzerns seine vielversprechende Karriere auf und zieht zurück auf die Insel. Er übernimmt eine Lottoannahmestelle und verkauft erfolgreich Zeitungen und Tabakwaren. Da liegt 1982 mit einem Zufall ein neuer Meilenstein seines Lebens auf Borkum. Für Juristen des Deutschen Lottoblocks organisiert er eine Tagung auf Borkum mit Heringsessen im Hotel Poseidon und großer Inseltour. Die Juristen sind begeistert und Bucki Begemann hat den Grundstein für seine bis heute andauernde dritte  Karriere gelegt: Inselführer.

     

    Noch immer ziehen die Besucher lachend, staunend und interessiert zuhörend hinter Bucki her. Er weiß so vieles über Borkum. Und er weiß auch, dieses Wissen seinen Gästen zu präsentieren. Niemals als besserwisserischer Oberlehrer, sondern als  freundlicher Insulaner, als Inselführer mit Kultstatus.